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"Wer weiß, wozu es gut ist?"

Erzbischof Ludwig Schick
Datum:
Veröffentlicht: 17.4.20

Gedanken von Erzbischof Ludwig Schick zur Corona-Krise

„Wer weiß, wofür es gut ist?“ Der christliche Glaube bietet keine schnellen Antworten und auch oft gar keine, aber er führt zu tieferen Einsichten für ein gutes Leben und ein angemessenes Handeln und er hält den Himmel für uns offen.

"Wer weiß, wozu es gut ist?"

Gedanken von Erzbischof Ludwig Schick zur Corona-Krise

Ich möchte mit Ihnen eine Erinnerung teilen. Sie kommt mir in der Corona-Zeit immer wieder in den Sinn. Priester bin ich eigentlich geworden, und habe dafür den Wunsch, Arzt zu werden, aufgegeben, weil ich während meiner Kindheit und Jugend erfahren habe, wie wichtig das Evangelium und der christliche Glaube für ein gutes Leben sind und wie die Kirche mit ihrer Verkündigung, den Sakramenten und Gottesdiensten, dem Sonntag und den christlichen Festen und Feiern dazu beiträgt. Damit das weitergeht, habe ich mich entschieden, Priester zu werden.

Von den Bäuerinnen und Bauern, den Handwerkern und Hausfrauen zu Hause habe ich viel Theologie und Pastoral gelernt, vielleicht mehr als in meinen vielen Studien, die mir aber sehr wichtig und wertvoll sind. Diese einfachen Leute waren in ihrem Glauben nüchtern und nachdenklich, vernünftig und weise, auf das Leben ausgerichtet.

Bei Katastrophen, Unglücken, Schwierigkeiten, Kalamitäten litten sie mit und packten zugleich an, mit Einsatz und Hilfsbereitschaft. Dabei hörte ich oft von ihnen die rhetorische Frage: „Wer weiß, wofür es gut ist?“

Sie gaben keine schnellen Antworten, wie zum Beispiel: „Strafe Gottes“ oder „Es kann keinen Gott geben, wenn so etwas geschieht“. Sie beweinten die Toten, trauerten mit den Trauernden, packten an und sagten: „Wer weiß, wofür es gut ist?“

Wer weiß, wofür die Corona-Zeit gut ist? Vielleicht, um unsere Achtsamkeit füreinander zu stärken, um die Gleichgültigkeit zu überwinden, die Hilfsbereitschaft zu mehren, die mehr Nachdenklichkeit zu pflegen über den Sinn, den Wert und das Ziel des Lebens, Mäßigung im Genießen und Verbrauchen zu üben, um zu verstehen, dass unsere Zeit endlich ist und unser Wissen, unsere Möglichkeiten und unsere Welt begrenzt sind. Das kann zur Einsicht führen, dass der Mensch nicht alles kann und darf, was ihm möglich ist. Es kann auch eine Zeit sein, Geduld zu üben, den Glauben zu vertiefen, die Hoffnung zu verstärken, das Familienleben zu pflegen, mehr zu beten - miteinander und füreinander.

„Wer weiß, wofür es gut ist?“ Der christliche Glaube bietet keine schnellen Antworten und auch oft gar keine, aber er führt zu tieferen Einsichten für ein gutes Leben und ein angemessenes Handeln und er hält den Himmel für uns offen.

von Erzbischof Dr. Ludwig Schick